Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Meine drei Tage in Berlin auf der Fashion Week waren wirklich so toll und haben alle meine Erwartungen übertroffen. Um meinen Bericht für euch etwas besser zu strukturieren, starte ich mit einem allgemeinen Überblick.

Was und Wo?

In Berlin findet zweimal im Jahr – wie in der Modebranche üblich – die saisonale Messe für die neuen Kollektionen statt. Dabei wird im Januar die neue Herbst/Winter-Kollektion und im Juli die Frühling/Sommer-Kollektion für das kommende Jahr vorgestellt. Vor einigen Jahren gab es noch eine große Messe in Berlin, die Bread & Butter, auf der alle Firmen gleichzeitig vertreten waren. Inzwischen hat sich das aufgespalten in mehrere Events, die zur gleichen Zeit, aber an verschiedenen Orten in Berlin stattfinden: die PREMIUM Exhibitions in der STATION Berlin, die PANORAMA auf dem Gelände der Messe Berlin, die Show & Order im Kraftwerk, die Seek und Bright in der Arena Berlin, die Selvedge Run in der Kulturbrauerei, Greenshowroom und Ethical Fashion Show im Postbahnhof, sowie die Schauen der Mercedes-Benz Fashion Week im Kaufhaus Jandorf. Darüber hinaus präsentierten rund vierzig etablierte und junge Designer ihre Kollektionen im Berliner Modesalon, der im Kronprinzenpalais beheimatet ist. Für den Einlass zur Messe benötigt man einen Beleg, dass man Fachbesucher ist. In Zeiten der Modeblogger ist der aber nicht so schwer zu erhalten.

 Fair Fashion

Es ist wirklich unfassbar, was zu dieser Zeit in Berlin los ist und wieviele Labels auf den Teilen der Messe vertreten sind. Wer, wo und warum ausstellt ist wirklich kompliziert, daher möchte ich mich auf den Teil beschränken, der für mich interessant ist – der Greenshowroom und die Ethical Fashion Show. In diesen beiden Teilen stellen die Hersteller der “Fair Fashion” aus. Wie der Name schon sagt, wird hier nach fairen und ökologisch korrekten Produktionsbedingungen hergestellt. Glückliche Schafe in der Fair FashionDas bedeutet, dass Ressourcen biologisch angebaut und schonend verarbeitet werden und Arbeitsplätze menschenwürdige Bedingungen und Bezahlungen aufweisen. Je nachdem, wie “streng” sich ein Hersteller an diese Standards binden will, können auch Zertifizierungen für Rohstoffe oder die gesamte Supply Chain vergeben werden – dazu später mehr. Beide Messen fanden im Postbahnhof gleich neben dem Ostbahnhof statt. Wie bei jeder Messe ist das Ziel, dass sich Modeinteressierte, Einkäufer, Fachbesucher und Medienvertreter die neuen Kollektionen der Labels und Hersteller anschauen und auch gleich für die jeweilige Saison vorbestellen können. Vor allem bei kleinen Herstellern im nachhaltigen Bereich läuft generell vieles nur über diese Vorbestellungen. Hintergrund ist, dass, um Ressourcen zu schonen, oft nicht über diese Bestellungen hinaus produziert wird. Greenshowroom und Ethical Fashion Show unterscheiden sich darin, dass im Greenshowroom die Labels ausstellen, die sich selbst eher zum “high class” Bereich zählen. Das bedeutet nicht, dass die Sachen besser sind als die anderen, sie sind nur einfach vom Style her etwas schicker und vielleicht auch etwas teurer. Jedoch ist der Preis für den Kunden in meinen Augen nicht wirklich viel höher, als in der höherwertigen Modebranche generell. Im Internet habe ich gelesen, dass der faire Teil der Fashion Show seit dem letzten Jahr erneut gewachsen ist, daher war auch die räumliche Abspaltung von den anderen Veranstaltungen notwendig. Für mich war es das erste Jahr hier auf der Messe und ich war durchwegs begeistert.

 Meine Eindrücke

Beide Teile (Ethical und Greenhowroom) finden in einem Gebäude statt. Das Gebäude ist aus rotem Backstein und auch innen hat es die Optik einer “shabby schicken” Lagerhalle. Optisch getrennt ist der Greenshowroom von der Ethical Fashion Show durch einen andersfarbigen Teppich. Alle Aussteller haben ihre neue Saisonware dabei und meistens auch noch Teile der Kollektion, die man immer bestellen kann. Für Händler bietet die Messe, wie schon gesagt, die Möglichkeit, Waren vorzubestellen, für Presse, Blogger und andere Modebegeisterte, sich einen Eindruck über kommende Styles zu machen oder zu planen, was man demnächst kaufen möchte. Sämtliche Leute, mit denen man im Bereich Fair Fashion zu tun bekommt, sind unheimlich freundlich und entspannt. Wer schon mal mit der Modebranche in Kontakt gekommen ist, weiß, dass das nicht immer automatisch so ist. Eigentlich ist das eine knallharte und oft nicht so nette Branche. Bereits an Tag 1 hat mich diese lockere und angenehme Atmosphäre in ihren Bann gezogen! Dies ging schon an der Garderobe los, bei der man überaus freundlich begrüßt wurde und auch nichts für die Aufbewahrung seiner Jacke zahlen musste. Ich bin nicht sicher, wie das bei anderen Messen ist, aber mir persönlich fällt es immer als etwas Besonderes auf, wenn mal was umsonst ist. 🙂 Als ich dann nachfragte, ob ich meine Flasche mit hineinnehmen darf, wurde ich informiert, dass es sogar kleine Stationen gibt, an denen man diese kostenlos mit Wasser (mit und ohne Kohlensäure) auffüllen kann. Wie toll, oder?

Mein Fazit ist, dass sich Fair Fashion definitiv weg vom “Öko-Look” entwickelt. Die Kollektionen sind sehr ansprechend und modern und können mit den Styles der “herkömmlichen” Modebranche definitiv mithalten. Dazu hat sie aber das große Plus, Teil einer guten Bewegung zu sein und diese als Konsument zu unterstützen fühlt sich einfach nur wahnsinnig toll an. Mit reinem Gewissen kann man dann über Inhaltsstoffe, Herstellungsmethoden, Mensch, Tier und Umwelt nachdenken und möchte sich dabei einfach nur immer weiter in die flauschigen Schals und Jacken reinkuscheln. Ein riesen Daumen hoch für diese tolle Branche! Mögest du wachsen und gedeihen, so dass irgendwann jeder ganz ohne darüber nachzudenken Zugang zu dir hat. 🙂

Als Hotel hatte ich übrigens das Novum select Hotel Ostbahnhof gewählt. Diese Wahl kann ich nur empfehlen, wenn ihr den fairen Teil der Fashion Show besuchen wollt, da der Postbahnhof wirklich nur fünf Minuten zu Fuß entfernt ist. Es ist ein hübsches vier Sterne Hotel, das neben kostenlosem WLan auch sehr schöne und großzügige Zimmer bietet. In den drei Tagen, die ich dort war, habe ich mich sehr wohl gefühlt.

 

Im zweiten Teil meiner Fashion Show Serie stelle ich euch einige Labels vor und gebe einen Überblick über die Vorträge im Bereich Fair Fashion, die ich mir angehört habe.

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